Opferberatung warnt vor einer gefährlicher Gewöhnung an Rassismus und rechte Gewalt +++ Vier bis fünf Angriffe pro Woche +++ Gewalt gegen politische Gegner*innen um ein Drittel angestiegen +++ Besonders im Fokus: politisch Engagierte, migrantisches und queeres Leben

Mobile Opferberatung (Salzwedel, Magdeburg, Halle), 27.04.2026

229 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe mit 307 direkt Betroffenen hat die Mobile Opferberatung für das Jahr 2025 in Sachsen-Anhalt dokumentiert. Damit gab es im vergangenen Jahr statistisch gesehen vier bis fünf rechte Angriffe pro Woche. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl von 2,1 Millionen Menschen werden somit in Sachsen-Anhalt mit 6,7 rechten Angriffen pro 100.000 Einwohner*innen etwa drei Mal so viele rechte Gewalttaten verübt wie im Durchschnitt in den westdeutschen Flächenländern. Der Rückgang bei der Gesamtzahl der Angriffe im Vergleich zum Vorjahr von rund 20 Prozent (2024: 290) ist kein Anlass zur Entwarnung. Dies zeigt u.a. der Anstieg bei Angriffen gegen politische Gegner*innen.

Für 2025 hat das spezialisierte Gewaltopferberatungsprojekt insgesamt 135 Körperverletzungsdelikte (2024: 175), 82 Bedrohungen bzw. Nötigungen (2024: 101), sieben Brandstiftungen (2024: 6) sowie fünf massive Sachbeschädigungen (2024: 5) registriert. Somit bleibt das Ausmaß rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt im Jahr 2025 im bundesdeutschen Vergleich auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Hinzu kommt ein gesellschaftliches Klima, in dem viele Angegriffene statt Solidarität und Mitgefühl zu erleben zunehmend mit Abwehr, Gleichgültigkeit und einer Normalisierung rechter Narrative konfrontiert sind.

Vor dem Hintergrund des bekannten Brandstiftereffekts in Wahlkampfzeiten ist insbesondere der Anstieg von Angriffen gegen politische Gegner*innen in 2025 um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr und das Ausmaß rassistisch motivierter Gewalt alarmierend. Denn mit der Verbreitung extrem rechter Positionen und entsprechender Feindbildkommunikation, abwertender Rhetorik und Bedrohungsnarrativen ist eine weitere Normverschiebung und Polarisierung in der Gesellschaft absehbar.

„Wir sehen eine große Gefahr der weiteren Normalisierung extrem rechter, minderheiten- und demokratiefeindlicher Positionen. Aus den Erfahrungen u.a. der Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen wissen wir, dass mit stärkerer Verbreitung extrem rechter Positionen die Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt auch in Sachsen-Anhalt weiter sinken wird. Politik und Gesellschaft stehen in der Verantwortung, Betroffene konsequent zu schützen, Beratungs- und Unterstützungsstrukturen dauerhaft abzusichern und Hass und Hetze klar zurückzuweisen.“ – Antje Arndt, Mobile Opferberatung

Die komplette Bilanz finden sie auf der Homepage der Mobilen Opferberatung.